Angst ist das größte Hindernis, das dich zurück hält — und zwar nicht nur mit den Mädels:
Angst macht dich schüchtern.
Angst lässt dich zurückgezogen leben.
Und Angst sorgt dafür, dass reaktiv und defensiv durchs Leben gehst, immer mit dem Druck, dich vor Verlust zu schützen.
Doch woher kommt Angst?Angst ist ein Werkzeug der Natur, um dich in lebensbedrohlichen Situationen schnell und instinktiv handeln zu lassen:
Du siehst ‘nen LKW auf dich zu kommen — du springst zur Seite. Kein Denken. Kein Grübeln. Kein “soll ich oder soll ich nicht”. Dein Körper reagiert einfach, und dein Verstand kann bloß noch im Nachhinein sagen, “Wow, bloß gut dass ich so schnell reagiert habe”.
Das ist die “gute Angst”.
Aber was ist mit der “schlechten Angst”. Mit der Angst, die die Leute chronisch mit sich herum schleppen, Tag für Tag, Woche für Woche?
Woher kommt die?
Stell dir vor du lebst auf einer abgelegenen Insel, fernab von der Zivilisation. Du und die anderen Bewohner, ihr geht täglich raus ins Meer zum Fischen.
Alles ist friedlich — aber alle 10 Jahre oder so wird jemand von einem Hai angegriffen und stirbt oder wird schwer verstümmelt.
Und logisch:
Nach so einem schrecklichen Erlebnis will natürlich erstmal keiner wieder ins Wasser.
Aber was passiert nach ein paar Tagen?
Die ersten Leute werden hungrig sein, und wieder vorsichtig mit Fischen anfangen. Sie werden sich sagen, “Hai-Attacken sind extrem selten und passieren bei uns nur alle 10 Jahre, also was soll ich ängstlich auf dem Land sitzen und hungrig an faden Kokosnüssen rumknabbern”.
Und nach einer Weile ist alles wieder wie vorher. Ab und an wird mal wieder jemand von davon erzählen, wie “damals” der Hai angegriffen hat — aber im alltäglichen Leben ist die Sache vergessen. Klar, ihr wisst immernoch im Hinterkopf, dass Hai-Attacken passieren können. Aber ihr akzeptiert es als ein Risiko des Lebens, und ihr wisst, dass es extrem unwahrscheinlich ist, und könnt mit diesem Wissen, jetzt wo der Schock überwunden ist, wieder ganz rational umgehen.
Und jetzt stell dir vor, auf die Insel kommt ein Vertreter von einem Medienkonzern, und er sagt, “Hey, wir haben eine ganz tolle Erfindung. Die nennt sich Fernsehen, und sie hilft euch dabei, dass ihr immer auf dem Laufenden seid. Wir haben Kamerateams auf all den 50.000 anderen Inseln, und so könnt ihr immer jeden Abend sehen, was in der Welt los ist.”
Klar sind die Inselbewohner begeistert davon.
Gesagt getan, das Fernsehnetzwerk wird eingerichtet, und von nun an sitzt ihr jeden Abend zusammen vor dem Fernseher…
…UND SEHT JETZT TAG FÜR TAG DIE 3 HAI-ATTACKEN DIE HEUTE IRGENDWO UNTER DEN 50.000 INSELN PASSIERT SIND.
Ein Ereignis, das in eurer Realität nur einmal alle 10 Jahre passiert ist, habt ihr jetzt wieder und wieder vor Augen. Der nächste Hai-Angriff ist bloß um die Ecke! Ein falscher Schritt, und es ist zu Ende! Jeder kann das Opfer werden!
Von jetzt an lebt ihr in ständiger Angst, und in ständigem Stresse: Ihr MÜSST fischen gehen, aber gleichzeitig habt ihr immer die blutigen Bilder vor Augen, die ihr Tag für Tag eingetrichtert bekommt.
Und das ist, was die Nachrichten mit uns allen machen:
Sie verzerren die Realität.
Im ECHTEN LEBEN — das, was um dich herum passiert, was dich betrifft und worauf du Einfluss hast — kommen auf jede schlechte Nachricht HUNDERTE guter Nachrichten. Doch in “den Nachrichten” zeigen sie dir für jede gute Nachricht 13 schlechte (oder mehr).
Das Verhältnis zwischen “Gut” und “Schlecht”, zwischen “Chancen” und “Gefahren” in den Nachrichten ist so verschoben, dass es mit der Realität rein gar nichts mehr zu tun hat. Die Nachrichten sind nicht nur “schlecht” oder “verzerrt” — sie sind komplett “irreal”.
“Du bist, was du isst”, heißt das Sprichwort. Und das gilt auch für Gedankenfutter:
Jeder, der die Nachrichten guckt, wird sich dieses “verschobene Weltbild” in seinen Kopf “einimprägnieren”.
Nachrichtengucken vergiftet unsere Weltsicht. Nicht, weil die Nachrichten gelogen wären — sondern weil die Konzentration giftig ist. Es ist, als würdest du statt einer Prise Salz aus deinem eigenen Salzstreuer das Salz aus allen Ozeanen auf deinen Teller kippen.
Und was ist die Folge von dieser “Vergiftung”?
Die Folge ist, dass Menschen, die die Nachrichten gucken, ein Leben im Zustand von chronischer Angst zubringen, und sich durch eine Welt bewegen, in der jeder Schritt gefährlich ist, in der jeder Andere böse ist, und in der die nächste Krankheit, der nächste Ruin und die nächste Blamage nur um die Ecke ist.
Manchmal erinnere ich die Leute, wie sie als Kind gewesen sind. Offen. Verspielt. Kontaktfreudig. Keine Schüchternheit. Keine Angst vor Blamage. Keine Angst vorm Fehlermachen.
Kinder hüpfen jeden Morgen aus dem Bett und können es nicht erwarten, raus zu kommen.Kinder knüpfen Freundschaften, die für den Rest ihres Lebens anhalten.
Und Kinder lernen an einem Tag mehr Neues, als die meisten Erwachsenen in einem Monat.Was zum Teufel ist ihr bloß ihr Geheimnis?
Kann ich dir ehrlich gesagt auch nicht sagen… aber ich weiß zumindest eins:
Kinder schauen keine Nachrichten.
Liebe Grüße,
Dein Leo
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