Männer im Rock – Männerrock – Herrenrock in der Öffentlichkeit – Erfahrungen Sommer 2009

Ist doch krass hier, man fällt doch auf.

Es wurd warm – erster Gang in den REWE

Vorweg – ich distanziere mich hiermit von jeder Form des Crossdressing, Transgender oder sonstigem Frauenklamotten-Fetisch. Und Metrosexuell bin ich auch nicht.

Ich glaub der erste Gang hier war in den örtlichen REWE. Hatte mir da zwei farblich passende Sarongs überzogezogen, schwarze  Turnschuhe drunter, passendes dunkles T-Shirt.

Wie schon erwähnt, ich bin keine Schwulette in Regenbogenfarben, bunter als nen Papagei. Man sollt sich halt auch bissel bei den Weibern umgucken, wie sie sich Kleiden. Nicht Kleidung selbst, sondern Komposition der Farben! Nogo z.b. Gemustert unten und Gemustert oben – nie tragen. Oder Knallfarben mit Gemustert mischen… Einfach mal gucken. Die Sarongs sind ja von sich aus schon im Batik-Look, mit coolen Tribal-Mustern. Also am besten dann nen schwarzes oder weisses einfarbiges Shirt. Fertig.

Ok. Lief durch den REWE. Juckt keinen hier. Irgendwie ists den Leuten hier im Wiesbadener Land voll egal. Man fällt nich auf. Ich legs nich extra drauf an.

Wie fällt man auf?  Wie ne  Schwulette rumlaufen :) Oder wie nen Gothik-Typ oder Punker, oder was auch immer.

Gewollt Auffallen? Nö. Ich sein? Ja.

Na, kam zurück und dacht mir: cool, die Leute interessiert es nicht – ich fühl mich wohl. Also weiter.

Beim Spazieren

Gings dann beim Spazieren lieber mit Sarong / Pareo, Hüfttuche als kurzen Hosen unterwegs.  Daheim trug ich das ja schon länger …

Mittelaltermarkt in Mainz

Als im April 2009 Mittelaltermarkt in Mainz war, dacht ich: Das iss ja ne Idee! War eh fast 30 Grad da. Total heiss. Kam das wunderbar.

  • Teva Sandalen
  • Unterhose (trage immer Unterhose unter Rock – alles andere find ich eklig)
  • Passendes Shirt drüber.

Fertig. Meine Freundin fand es nich so doll, dass ich in Rock rumlief. Die war schon sehr genervt. Musst ich mich drüber hinwegsetzten (Heute findet sie es cool, wenn ich farblich anders der Rest der Menschen rumlaufe.) Und es gab auch Zoff deswegen. Am Ende vom Tag war es nen super Tag gewesen! Chillig, heiss, viel Sonne, gute Stimmung, leckerer Met, viel unbekanntes, le ckeres Zeug gefuttert. Und ich bin dort mit Sarong (fast) garnicht aufgefallen.

Dann wurds kälter


Kaum Zeit zum tragen. Wurd lange Zeit nich richtig warm. Und Sarong macht erst ab 25 Grad Spass. Auf Rock + Strumpfhose steh ich nett, sollte es kaelter sein. Da kann ich ja gleich ne Laufhose anziehen und hab weniger Gefummeln. Oder gleich ne Jeans und seh cooler aus, als Männer mit Stumpfhosen… Bah. Geht nett. Echt nett.

Was gabs denn noch? Wir waren mal wandern. War auch heiss. War auch praktisch. Auf nem Barfusspfad. Auch nix besonderes.

Kronberg vor Frankfurt

cimg2352Eigentlich wollt ich auf ne Mittealterkonvention gehen. Doch an dem Tag war nix.. Also sind wir spazieren und Minigolf. Gut. Mit Sarong Minigolf war etwas unpraktisch. Aber egal.Glotzte keiner

Doch in der Stadt war das Ding echt das Highlight. Jungvolk juckte das nicht. Aber die typisch spiessigen Geld-und-Kohle-Hessen mit Gucci-Brille und DG-Handtasche guckten sich die Augen aus:”boah, krass, sieht das cool und indi-vi-du-ell aus!”

Ja, da guckste du alte blonde doofe Schnalle! Cool und individuell aussehen fuer 10€ ohne Versandkosten! Das wars mir wert. Diesem alten Spiessbürgersackpack. Da muss ich schon sagen. Ich bin kein Evangelist, der hier Röcke proklamieren will, oder sonstwas. Ich find die Sarongs einfach cool. Mir gefällt das. Muster und Farbe sprechen mich voll an.

Aber an dem Tag wars echt so, dass mir die Blicke aufgefallen sind (es war immer die gleiche Bevölkerungsschicht), und ich gerne provokant rüber kam. So wie nen Punker halt. Nen Anti-Diskriminierungs und Anti-Sexismus-Punker, der für Gleichberichtigung steht und “weibliche Exklusivitäten” geklaut hat! BÖHSE!

Wie gesagt, ausser dem Geldadel, hats keinen gejuckt.

Wiesbadener City


Juckt da erst recht keinen. Auch die “Deutschen mit Migrationshintergrund” fällts nich mal auf. Da denk ich mir: Sind halt keine Tussiklamotten – Highheels und Minirock..

Aber Antibeispiel Bad Kreuznach – Männerrock – das geht doch garnicht

Da waren wir im Frühjahr aufm Barfusspfad, ich mit Sarong, da heiss. Aufm Rückweg noch in der Stammdöneria essen. Da musst kurz durch die Kreuznacher Innenstadt. MANN WAR ICH DAS HIGHLIGHT! (War mir schon fast unangenehm – echt)

Da guckte ja jeder mir am Arsch runter… Das war so. Halt. Kulturschuck. Da läufst in WI rum,  und keiner bemerkt dich (top). Da fährst 60 km weiter in ne Stadt in RLP, und bist die Attraktion. Meine Freundin merkte “Oh, man merkt dass wir nicht mehr in Hessen sind”

2 Monate spater – Rheinlandpfalz-Tag in Bad Kreuznach

Boah, alder. Ich hät mir echt lieber ne Hose angezogen. Da kams mir  vor, als wären die ganzen Wald-Schranzen zum ersten mal in ihrem Leben rausgelassen worden.. Bauern. Sonst nix. War ich wieder die Attraktion. Ich mein. Ich hab 3 Jahre dort gelebt in KH. Ich bin selbst 24 Jahre Pfälzer gewesen. In Frankfurt koenntest mit Unterhose rumlaufen, da würd sich keiner umdrehen.

Aber in Bad Kreuznach? Iss ja nicht mal so klein das Städtlein! Nun ja.

Ist schon komisch. Ich mein, da hat ja jeder geglotzt. Frauen jeden Alters “Boah, der sieht ja cooler als ich aus”, Jungvolk “Hm, soll ich den jetzt auslachen? Aber eigentlich siehts ja cool aus und ich würd auch lieber so was anziehen, wenn meine Freunde nich lachen würden”. Die typische männliche Ü30-Fraktion in Bluejeans 0815, die jeder anhat, und Standard-Hemd-Kariert… Ok. Merke: In KH nochmal? Zieh dir ne Hose an. Ich glaub die sind da einfach noch nich reif genug für.

Meine Kumpels fanden es lustig. Die hatten gemeint, es würd zu Foreigner (die spielten an dem Abend) passen. Hehe.

Zwischenfazit: Man merkt doch, ob man hier in ner Metropole wohnt (selbst hier in meine 3500 Einwohner-Dorf juckt es keinen), oder ob man ins Pfälzer-Hinterland gerät.

Ist halt schon krasses individuelles Teil. Ich schätz mal, an dem Tag waren vielleicht 20 000 Leute in Kreuznach zusätzlich unterwegs. Hab da keinen Kerl mit nem Rock gesehen.

Hab überhaupt noch kein Mensch gesehen, der nen Sarong in der Öffentlichkeit anzieht.

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11 Responses to Männer im Rock – Männerrock – Herrenrock in der Öffentlichkeit – Erfahrungen Sommer 2009

  1. Güsch says:

    Herzliche Glückwunsch dass du Rückrad hast und das machst was du möchtest. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie schwer so etwas sein kann.

    Mach weiter so, Röcke sind geil!

  2. Jürgen64 says:

    Warum diese Vorurteile? Ein Rock ist ein Kleidungsstück, rosa ist eine Farbe, und Blumendruck ist ein Muster; all das ist in keinster Weise geschlechtsbezogen, auch wenn es von Teilen unserer Gesellschaft geschlechtlich konnotiert wird! Genauso kannst Du durchaus Nylons und Pumps anziehen: Du wirst dadurch weder schwul, noch änderst Du Dein Geschlecht oder Deine geschlechtliche Identität.

    Ich für mich gehe da noch einen Schritt weiter: ich bin stolz, trotz meines von vielen als weiblich angesehen Outfits auf 100 Meter noch eindeutig als Mann erkannt zu werden … schaffen die Lästermäuler das auch? Oder legen die mit ihrer Hose auch den letzten Rest Männlichkeit ab?

    Gruß
    Jürgen

  3. Wolfgang says:

    Hallo Zusammen,

    oft erkennt man, das Themen (unfreiwillig) schlecht kommuniziert werden (gilt für alle Bereiche des endlichen menschlichen Lebens).

    Dies gilt in diesem Fall für den Einleitungssatz in rot (ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung und letztendlich auch nur meine Meinung (die ja nicht richtig sein muss für andere)

    Der Einleitungssatz in Rot ist vollkommen unnötig. Als Rockträger sollte man über den derzeit allgemein bekannten weltlichen Dingen stehen. Als Andersdenkender sollte man aber vor allem auch Andersdenkende akzeptieren. Ich habe kein Problem, wenn einer andere Sichtweisen hat, mit einer Bedingung: Es muss Legal sein.

    Andersdenkende wollen die Welt verändern. Dies geht mit Vertrauen, Liebe und Verständnis oder Gewalt. Letzteres kommt für mich nicht in Frage.

    Veränderung passiert aber nicht auf der Straße sondern im Gehirn.

    Toleranz und Akzeptanz sind die Schlagworte, die die menschliche Rasse weiterbringen.

    Heute habe ich dem Geschäftsführer des größten Unternehmens, dass ich betreue (insgesamt sind es dutzende, ich trete dort auch im Rock auf), mitgeteilt, dass ich Rockträger bin. Nach dem Vortrag über die Gründe (Bequemes Kleidungsstück, tolles Tragegefühl, Gleichberechtigung, männerfeindliche Welt) sagt er zwei entscheidende Sätze:

    1. Es gibt immer Menschen, die haben so eingefahrenen Meinungen, das sie schon gar keine Lust haben, sich mit Veränderungen oder Andersdenkende auseinanderzusetzen. Damit muss man fertig werden, wenn man neue Wege geht (Anmerkung von mir: “neue Wege” beim Männerrock ist ja wirklich relativ, wenn man die Geschichte oder andere Länder betrachtet)

    2. Er hat kein Problem damit, wenn ich Röcke trage und es ins Bild passt.

    Liebe Grüße

    Wolfgang

  4. Respekt, mein Lieber. Eionen echten Herrenrock oder gar einen “gewöhnlichen” Wickelrock habe ich selbst noch nie getragen. Dafür trifft man mich im Sommer und ggf auch im Herbst des öfteren im Klit. Ich habe selbst zwei Utilikilts und einen maßgeschneiderten schottischen Kilt (in dem habe ich auch geheiratet).
    Negative reaktionen gab’s bisher nicht, ich bin nur schon ein paarmal auf Englisch angesprochen worden… ;-)
    Allerdings: In meinem Heimat-Nest hatte ich ähnliche Erfahrungen wie Du in Bad Kreuznach…

    Halt durch und bleib Du Du!

  5. Georg says:

    Das war ja sehr interessant. Ich finde eigentlich nicht schlecht, wenn die Männer auch Röcke tragen… Naja, schönes Thema, toller Blog, weiter so!

  6. Karlheinz says:

    Daumen hoch und weiterhin mit Rock in die Öffentlichkeit. Schön daß deine Freundin auch dazu seht.

  7. Wenzel says:

    Finde es super zu hören, dass ich nimmer der einzige mit Rock bin. Laufe gerne mit Wickelrock rum, das bringt mir mit meinen 18 Jahren auch so manche seltsame Situation… ;)
    Freue mich über jeden mit der Courage. Weiter so, wir bringen den Paradigmenwechsel :)

  8. Pingback: links auf nanokultur.de | lenkdrachenfeuer

  9. Wolli says:

    Toll, daß das hier kommuniziert wird. Leider ist das eine Kopfsache. Und leider sogar in den Köpfen der uns nächsten. Ist der Rock nicht eindeutig ein Männerrock, bin ich ne Schwuchtel (nicht mal ne Transe). Das kommt dann von den Leuten, die ihr Denken eingegipst haben. Auch wenn es einem die liebsten Menschen sind. Wenigstens wird mein halbwegs erschwinglicher Arbeitskilt von “Blaklaeder” inzwischen in meinem näheren Nachbarschafts und Familienkreis akzeptiert.
    Neuestes Stück: ein selnst genähter (noch nicht ganz fertiger) Jeansrock. Zwei Jeans für 8€ von KiK und einmal die Innennaht ringsum aufgetrennt und dann die Beine von der anderen Jeans eingenäht (4Nähte und ein Saum – eine Stunde). Das ist eine Männerjeans gewesen. Und nun ist es ein Männer-Jeansrock. Meine übrigen Röcke darf ich dann wenigstens zu Hause tragen, wenn die Familie im Bett oder ganz abwesend ist. Nächstes Projekt ist ein selbstgenähter Kilt. Durch die Falten hinten fallen die beim Gehen, Hocken oder Knien so, daß niemand etwas abkucken kann – uns könnte man ja was abkucken, im Gegensatz zu den Frauen.

    Du hast recht, es muß bequem sein, und da stört eben bei einer zweiröhrigen Beinkleidung in der Mitte der Stoff.

    Es sei denn, die Hose ist extrem weit geschnitten. Habe ich mir auch selbst genäht (70 cm Beinweite und der Schritt in Höhe der Oberschenkel).

    Das geht alles recht einfach und schnell. Kleidung muß funktionell sein, einfach gestaltet und superbequem sein.

    Da habe ich mal einen Spruch bekommen:
    “Du bist für andere interessant, wenn du anders bist als diese.
    Wenn du alles tust um deinen Mitmenschen zu gefalen, indem du dich wie diese kleidest, wie diese redest und so reagierst, wie es von dir erwartet wird, dann bist du für andere wenig interessant. Dann bist du nämlich nur eine Kopie und von deinesgleichen gibt es bereits Hunderttausende. Stehe dazu, anders zu sein. Lebe deine Einzigartigkeit, deine Unverwechselbarkeitund Originalität. Dann bist du interessant.”
    In diesem Sinne.
    Wolli

  10. Torsten says:

    Hallochen
    Ich finde es fantastisch das es hier Männer gibt die Röcke tragen. Ich habe mi das immer schon gewünscht und würde es gern ausprobieren. Leider bin ich schon 48 Jahre werde aber oft auf 36-38 geschatz. Fühle mich da immer geschmeichelt.
    Ich trau mich nicht so richtig ran an die Sache. Was meint ihr?
    Wünsche euch noch allen ein frohes Weihnachtsfest

    • Torsten S. says:

      Hallo an alle
      Mir geht es genau so wie Torsten. Bin auch 48 aber werde auch immer so 39-40 geschätzt. Ich bin gerade auf der Suche nach einen passenden Rock. Ich werde es ausprobieren. Erst zu Haus und dann werde ich in die Stadt.
      Ich bin schon gespannt.
      An alle die schon Rock tragen>>>> weiter so<<<<<